Auf die Bedeutung der Hautausleitung als eine der 5 Fundamente der Heilkunst wurde bereits in der altindischen Sanskritmedizin hingewiesen. Man nutzte stark hautrötende und blasenziehende Mittel, wie z.B. Laugen welche aus Pflanzen hergestellt wurden oder erhitzte Öle und Fette.
Die alten Griechen und Römer kannten auch viele scharfstoffhaltige Agentien. Man nutzte unter anderem Meerrettich, Senf oder Pfeffer. Erst im 7. Jahrhundert n. Chr. kam das Cantharidenpflaster gegen chronische rheumatische Beschwerden zum Einsatz. 
Aschner bezeichnete das Cantahridenpflaster als “weisse Schröpfkunst”. Die Wirkung konzentriert sich eher auf die Lymphe, im Gegensatz zum Schröpfen, wo die Wirkung über das Blut dominiert. 

Das Pflaster wirkt auf zwei Weisen. Zum einen durch die Ausleerung von Blutserum und zum anderen über eine unspezifische reflektorische Reizung. Die Phagozytoseaktivität wird erhöht, der “Verbrennungseffekt” aktiviert z.B. von Plasmazellen sowie B- und T-Lymphozyten. Es werden auch zahlreiche Botenstoffe wie z.B. Lymphokine, Zytokine, Prostaglandine, Leukotriene, Peroxidasen, welche die biologische Regulation der Grundsubstanz fördern. Der pH-Wert wird angehoben und es findet auch eine Anregung der Durchblutung und des Lymphstromes statt. Cantharidin ist nierenanregend und in höheren Dosen hat es eine nephrotoxische Wirkung.

Die Paste wird aus einem grünlichem Käfer, der spanischen Fliege, gewonnen und pulverisiert. Durch sein enthaltendes Gift “Cantharidin” erzeugt die Salbe bzw. das Pflaster eine künstliche Verbrennung 2. Grades. Die Salbe beziehe ich über eine meiner Hausapotheken.

 

Anwendung: 
Wie groß die zu behandelnde Stelle ist, hängt unter anderem von der Region und der Diagnose ab. Die Verweildauer beträgt zwischen 12-24 Stunden. Nach Aschner ist der Effekt bei längerer Verweildauer auch nachhaltiger. Nach vier Stunden setzt ein stärkeres Brennen ein. Bei extremen Schmerzen wird das Pflaster ggf. vorzeitig entfernt ; bei nächtlich auftretenden Schmerzen können Analgetika Verabreicht werden. Nach 12-24 Stunden bildet sich eine Brandblase. Die Flüssigkeit wird mit einer sterilen Kanüle entnommen. Zur besseren Heilung wird die Haut in den meisten Fällen nicht entfernt. Eine Heilsalbe wird im Anschluss aufgetragen und die Wunde steril verbunden. Da eine Pigmentverschiebung entstehen kann, sollte sich der Patient mindestens 6 Wochen keiner UV-Strahlung aussetzen.

 

Indikationen:
Auch wenn traditionell seit hunderten von Jahren das Cantharidenpflaster bei vielen Indikationen gerne genutzt wurde, wäge ich stark ab, ob diese Behandlungsform zum Einsatz kommt. Da es eine sehr “rustikal” wirkende Methode ist, ziehe ich in vielen Fällen andere gut wirksame Methoden vor ; allerdings ist bei einigen Erkrankungen dieses Pflaster so effektiv,  dass ich diese Therapie immer noch sehr gerne nutze wie z.B. bei chronischer Mittelohrenzündung. Im Folgenden führe ich die Indikationen stichpunktartig auf.

a.)Moderne Indikationen:
-HNO-Erkrankungen
-Pleuraergüsse
-klimaterische Depression
-Okzipitalneuralgie
-Morbus Bechterew
-spondylarthrotisch bedingte Schmerzzustände
-Schulter-Arm-Syndrom
-chronische Gelenkleiden wie Arthrose, Rhizarthrose, Gicht, Tietze-Syndrom
-Interkostalneuralgie
-Trigeminusneuralgie

b.)Historische Indikationen:
-verschiedene chronische und akute Augen und Ohrenkrankheiten
-Halskrankheiten
-Lungen und Pleuraerkrankungen
-Herzkrankheiten, vor allem Angina pectoris, Peri- und Endokarditis
-Thrombophlebitis
-abdominelle Erkrankungen
-gynäkologische Erkrankungen
-rheumatisch-arthrotische Erkrankungen
-neurologische Erkrankungen

Kontraindikationen:
z.B. bei Stauungsödemen, Gangrän, Pflasterallergie, Gefäßverschlüsse, akuter Zystitis und Pyelonephritis darf das Pflaster nicht verwendet werden. Selbstverständlich wird es auch nicht auf offenen Wunden, im Bereich von Schleimhäuten, der Gelenkbeugen, und akut entzündlichen Gelenksveränderungen angewendet. Bei stark pigmentierten Hauttypen und Diabetes mellitus sollte auch auf diese Arte der Behandlung verzichtet werden. 

Weitere Informationen, Aufklärung und Beantwortung von Fragen gibt es bei mir immer in einem persönlichen Gespräch.

 

Cantharidenpflaster

Dietlind Stohr

Heilpraktikerin Naturheilkunde am Niederrhein

46446 Emmerich am Rhein

Akupunktur traditionelle chinesische Medizin

BDH  Dietlind Stohr Heilpraktikerin